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Glossar / Wissensdatenbank

Green Building

Was versteht man unter einem Green Building?

Als Green Building – deutsch: grünes Gebäude – wird ein Gebäude bezeichnet, das unter dem Leitgedanken der Nachhaltigkeit entwickelt wurde. Dieses Konzept soll über den ganzen Lebenszyklus, angefangen bei der Planung, der Konstruktion, sowie beim Betrieb und der Wartung, und letztlich bei der Demontage verfolgt werden.

Hierbei wird besonders auf Ressourceneffizienz in den Bereichen Energie, Wasser und Material geachtet. Außerdem sollen schädliche Auswirkungen auf die Gesundheit und die Umwelt reduziert, sowie auf Wohn- und Arbeitsqualität der Bewohner oder Arbeitnehmer im Gebäude geachtet werden. Ein weiterer Schwerpunkt soll auf gute Integration in die Umgebung und Schonung der Nachbarn – sowohl beim Bau des Gebäudes, als auch beim Betrieb – gelegt werden. Niedrigenergiehäuser, Solarhäuser, Passiv- oder Nullenergiehäuser fallen unter den Begriff des grünen Bauens.

Thema Nachhaltigkeit

Der Begriff Nachhaltigkeit stammt aus der Forstwirtschaft und bedeutet, nicht mehr Holz einzuschlagen als nachwächst. 1987 wurde das Konzept einer nachhaltigen Entwicklung im Abschlussdokument einer UN-Kommission (Brundtland-Kommission) mit dem Titel „Our Common Future“ folgendermaßen definiert: „Entwicklung zukunftsfähig zu machen heißt, dass die gegenwärtige Generation ihre Bedürfnisse befriedigt, ohne die Fähigkeit der zukünftigen Generation zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse befriedigen zu können.

Eine Präzisierung des Begriffs Nachhaltigkeit liefert das „Drei-Säulen-Modell“ der Enquête-Kommission des Deutschen Bundestages „Schutz des Menschen und der Umwelt“. Danach ist Nachhaltigkeit die Konzeption einer dauerhaft zukunftsfähigen Entwicklung der ökonomischen, ökologischen und sozialen Dimension menschlicher Existenz.

Mit diesen drei Dimensionen der Nachhaltigkeit sind im Wesentlichen gemeint:

  1. Ökologische Nachhaltigkeit orientiert sich am ursprünglichen Gedanken, keinen Raubbau an der Natur zu betreiben. Ökologisch nachhaltig ist eine Lebensweise, die die natürlichen Lebensgrundlagen nur in dem Maße beansprucht, wie diese sich regenerieren. Dies umfasst den Erhalt der Biodiversität (Artenvielfalt), den Klimaschutz, die Pflege von Kultur- und Landschaftsräumen in ihrer ursprünglichen Gestalt sowie einen schonenden und umweltfreundlichen Umgang mit der natürlichen Umgebung.
  2. Ökonomische Nachhaltigkeit bedeutet, dass eine Gesellschaft wirtschaftlich nicht über ihre Verhältnisse lebt, da dies zwangsläufig zu Einbußen bei den nachfolgenden Generationen führen würde.
  3. Soziale Nachhaltigkeit heißt, dass eine Gesellschaft so organisiert sein soll, dass sich soziale Spannungen in Grenzen halten und Konflikte auf friedlichem Weg ausgetragen werden können. Neben sozialer Gerechtigkeit steht dieser Aspekt auch für humane Arbeitsplätze, Bildung und Qualifikation für die nachfolgende Generation.

Nachhaltigkeit kann lokal, national und global verwirklicht werden. Während aus ökologischer Perspektive zunehmend ein globaler Ansatz verfolgt wird (z.B. Klimaschutz), steht hinsichtlich der wirtschaftlichen und sozialen Nachhaltigkeit der nationale Blickwinkel im Vordergrund. Eine nachhaltige Entwicklung wird für immer mehr Teilbereiche gefordert, sei es für den individuellen Lebensstil oder für ganze Sektoren wie Mobilität, Produktion oder Energieversorgung.

In der Unternehmenspolitik spielt Nachhaltigkeit eine immer größere Rolle. So geben zahlreiche Firmen inzwischen jährlich einen sogenannten Nachhaltigkeitsbericht heraus. Auch verpflichten sich immer mehr Unternehmen sogenannten ESG-Kriterien . Seit 2008 wird öffentlichkeitswirksam der Deutsche Nachhaltigkeitspreis verliehen.

Green Building: Die Umweltverträglichkeit von Gebäuden

Green Buildings haben die Aufgabe, die Belastungen für die Umwelt deutlich zu reduzieren. Denn Gebäude verursachen vor allem in den Industrienationen einen hohen Verbrauch an Land, Energie und Wasser, und sind damit auch für die Veränderung von Luft und Erdatmosphäre verantwortlich.

Für Raumwärme in Gebäuden wurden in Deutschland im Jahr 2017 27 % des gesamten Endenergieverbrauchs aufgewendet. Weitere knapp 5 % entfielen auf den Bereich Warmwasser. Zum Vergleich: Der Verbrauch war damit rund 6 % höher als im größten Verbrauchssektor Verkehr, der rund 30 % des gesamten Endenergieverbrauchs ausmacht. Aufgrund dieser Bedeutung sprach die Bundesumweltministerin 2014 davon, dass Deutschland eine „Wärmewende“ brauche, damit die „Energiewende“ gelingen könne (bundesregierung.de).

Obwohl die Wohn- und Nutzfläche in den letzten Jahren zugenommen hat, ging der Energieverbrauch für Raumwärme insgesamt zurück. Dies erklärt sich hauptsächlich durch die vermehrte Verwendung der Standards unter dem Leitgedanken des Green Buildings, sowohl bei Neubauten, als auch bei der Sanierung von Altbauten.

Seit dem Jahr 2000 haben in Deutschland rund fünf Millionen Eigentümer eine, vom Staat subventionierte, energetische Gebäudesanierung durchgeführt. Bis zum Jahr 2050 will die Bundesregierung einen nahezu klimaneutralen Gebäudebestand realisieren. Hierzu sollen die Maßnahmen im „Nationalen Aktionsplan Energieeffizienz“ (NAPE) sowie der „Energieeffizienzstrategie Gebäude“ (ESG) beitragen.

Zertifizierung zum Green Building

Die Bundesregierung hat strenge Vorgaben für die Nachhaltigkeit im Gebäudesektor, wie z.B. die EnEV (Energieeinsparverordnung). Diese behandelt jedoch hauptsächlich das Thema Energieeffizienz. Ein Green Building zeichnet jedoch ein viel breiteres Bild der Nachhaltigkeit von Immobilien. Deshalb erkennen nicht nur Investoren und Bauherren, sondern auch Unternehmen im Hinblick auf die Anmietung von Bürofläche, die Notwendigkeit der nachhaltigen Immobilienentwicklung.

Eine Gebäudezertifizierung dient nicht nur der Vergleichbarkeit von Immobilien, sondern identifiziert auch Verbesserungspotentiale und klassifiziert Immobilien zum Beispiel in Standard, Komfort oder Exklusiv Einheiten. Durch diese Bewertung soll die Immobilie eine Verbesserung der Marktposition erreichen. Die Zertifizierung erstellt dafür ein Ranking in bestimmten Kategorien und gibt dabei ein Urteil über die Qualität und den Gebrauchswert einer Immobilie ab. Diese Benchmarks werden vor allem für die unternehmerische Investitionsrechnung und die risikoorientierte Bewertung benötigt.

Gebäudezertifizierungen werden von sogenannten Non-profit-Organisations angeboten. Der Erwerb von Zertifizierungen erfolgt immer auf freiwilliger Basis und sollte vorrangig dem Wert und dem Erhalt der Umwelt dienen. Für Investoren spielt allerdings auch, auf Grund einer besseren Platzierung auf dem Immobilienmarkt, die Renditesteigerung eine große Rolle.

Maßgebliche Zertifizierungen im Bereich der Büroimmobilien

  •  DGNB (Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen): In Deutschland wird der Standard für Grüne Gebäude unter anderem von der DGNB beurteilt – dem marktführenden Systemanbieter für die Planung, den Bau und den Betrieb nachhaltiger Gebäude und Quartiere. Das Team aus Architekten, Bauunternehmern und Wissenschaftlern erarbeitet konzeptionelle Ziele im strengen Sinne des nachhaltigen Bauens. Die DGNB bewertet ökologische Gesamtkonzepte für grünes Bauen anhand ihrer ökologischen, ökonomischen, sozialkulturellen und funktionalen Qualität. Dabei werden keine Einzelmaßnahmen bewertet, sondern Wirkungen, bezogen auf den kompletten Lebenszyklus. Erreicht ein Gebäude die Zielwerte, wird das Gütesiegel „Nachhaltiges Bauen“ verliehen, das die DGNB in den Kategorien Bronze, Silber, Gold und Platin vergibt. Es können sowohl Neubauten als auch Bestandsobjekte bewertet werden, wobei die Nachweisführung bei Bestandsobjekten deutlich einfacher ist, da diese auf realen Verbräuchen basiert. Bei Neubauten erfolgt dies aufgrund einer aufwendigen Simulation.
  •  NABERS (National Australian Built Environment Rating System): NABERS ist Australiens führende Bewertungsmethode für Gewerbeimmobilien. Man unterscheidet zwischen dem NABERS Energy Rating und dem NABERS Water Rating. Es wird jeweils die Effizienz eines Gebäudes beurteilt und entweder das Basisgebäude, das einzelne Mietverhältnis oder das gesamte Gebäude bewertet. Bei der Energiebewertung wird der Energieverbrauch des Gebäudes mit einer Reihe von Benchmarks verglichen, die anhand von Ist-Daten entwickelt wurden. Bei der Wasserbewertung wird die Menge an Wasser betrachtet, die innerhalb eines Gebäudes verbraucht und recycelt wird.
  •  LEED (Leadership in Energy and Environmental Design): Das amerikanische Gütesiegel für nachhaltiges Bauen „LEED“ (Leadership in Energy and Environmental Design) wurde vom U.S. Green Building Council entwickelt und ist das am internationalen Markt etablierteste Zertifikat. Es beherrscht vorrangig den amerikanischen Markt, hält aber auch zunehmend Einzug in den deutschen Markt und kommt in 40 weiteren Ländern zum Einsatz. LEED ist ein Bewertungssystem für nachhaltiges Bauen. Es legt Standards fest, für die Anforderungen an den Bau von umweltvertraglichen Gebäuden mit einem nachhaltigen, selbstversorgenden Energiebetrieb. Zudem sollen die Bauten mit dem LEED-Gebäudepass auf der Grundlage eines Entsorgungsplans errichtet werden, der ein vermindertes Abfallaufkommen und die Verwendung von recycelten oder vor Ort hergestellten Materialien vorsieht. Durch die optimale Nutzung der Energie aus erneuer-baren und lokalen Quellen, kann die Energierechnung der Gebäude erheblich gesenkt werden. Es werden die Qualitätsstufen Certified, Silver, Gold und Platinum unterschieden. Das LEED-Zertifikat wird weltweit ausgegeben.

Vorteile eines zertifizierten Green Building

Grüne Gebäude haben durch ihre hohe Energieeffizienz geringere Betriebs- und Unterhaltskosten und somit erhöhte Chancen bei Vermietung und Verkauf. Durch eine Zertifizierung wird dieser Vorteil für alle Beteiligten, also Eigentümer, Mieter und Nutzer, sichtbar.

Außerdem werden Green Buildings flexibel designt und gebaut, damit sie ohne Materialverlust umfunktioniert oder sogar rückgebaut werden können. Im Falle eines Rückbaus können Gruppen nachhaltiger Baustoffe für andere Bauprojekte wiederverwendet werden, was in hohem Maße zu grünem Bauen und damit zur Schaffung einer lebenswerten Zukunft für kommende Generationen beiträgt.

Die Zertifizierungen ermöglichen Gebäudebetreibern und Eigentümern ein strukturiertes Vorgehen, um praktikable und messbare Maßnahmen über den gesamten Lebenszyklus nachhaltiger Gebäude zu ergreifen. So werden im Rahmen einer Zertifizierung der deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen auch Vorschläge unterbreitet, wie man die Nachhaltigkeit noch weiter verbessern kann.

Zertifizierte Gebäude sind sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene miteinander vergleichbar, solange sie mit demselben Zertifikat bewertet wurden. Folglich steigt die Nachfrage nach zertifizierten Gebäuden zunehmend.

Lesen Sie auch Environmental Social Governance (ESG) und unseren Artikel über Nachhaltige Fonds.

Weiterführende Links:

Greenbuilding Magazin 
Conserve Energy Future
Bundesministerium für Wirtschaft 

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