Glossar / Wissensdatenbank

Zinsen

Herkunfts des Begriffs Zinsen

Der Begriff Zinsen leitet sich vom lateinischen Census (= Abschätzung) her und bezeichnet das Entgelt, das man für die zeitweise Überlassung von Kapital leistet. Bisweilen interpretiert man auch Miete und Pacht als „Zins“ für die Überlassung von Gebäuden oder Gebäudeteilen.

Die Höhe des Zinses, oftmals auch als der Zinssatz bezeichnet, hängt von vielen verschiedenen Aspekten ab. Grundsätzlich natürlich, wie ganz überwiegend, von Angebot und Nachfrage, hier nach Geld (kurzfristig) bzw. Kapital (langfristig).

Guthaben- oder Passivzinsen erhält der Anleger von der Bank für sein ihr zur Verfügung gestelltes Kapital vergütet. Aktiv- bzw. Sollzinsen zahlt er für Kredite an die Bank.

Unter normalen Umständen (KEINE inverse Zinskurve) liegen die Zinsen für kurzfristige Kredite niedriger als jene für langfristige. Eine Ausnahme von dieser Regel sind gesetzlich festgelegte Zinsen, wie sie etwa im § 246 BGB oder § 247 BGB geregelt sind.

Historische Entwicklung

Erstmals taucht ein Zinsbegriff um 2400 vor Christus im sumerischen Reich auf. Schon in Babylon hat man eine Art Marktzins thematisiert. Im Kodex des Hammurapi aus dem 18. Jahrhundert vor Christus war bei Nichtzahlung des Zinses die Schuldknechtschaft vorgesehen, allerdings war auch ein Höchstzins festgelegt (für Gerste 33,33 %, für Silber 20 %).

Von Religionen wurden Zinsen häufig sehr kritisch gesehen, im Judentum waren Zinsen für Kredite an Arme verboten. Im 5. Buch Mose (Deuteronomium) wurde generell die Forderung von Zinsen von „Volksgenossen“ (gemeint sind Juden) verurteilt, während die Vergabe von verzinslichen Darlehen an Nicht-Juden gestattet war.

In Griechenland beschränkte Solon 550 vor Christus den Höchstzins auf 12 %, um Wucherern das Handwerk zu legen. Auch im Römischen Reich legte man den Höchstzins zunächst auf ein Zwölftel der Darlehenssumme (dies entspricht einem Zinssatz von 8,33 %) und schließlich ebenfalls auf 12 % fest.

Im Christentum waren Zinsen zunächst verpönt, das kanonische Recht erklärte sie sogar für Raub. Auch der Islam integrierte in die Scharia ein Zinsverbot. Da die jüdische Thora Zinsgeschäfte mit Nichtjuden erlaubte, agierten einige Juden im Mittelalter Geldverleiher. Im 16. Jahrhundert wurde das christliche Zinsverbot zunächst gelockert und dann abgeschafft. Das machte die Unterscheidung zwischen erlaubten Zinsen und Wucherzinsen notwendig.

Arten von Zinsen

Mit Guthabenzinsen vergüten Banken für Einlagen auf Bankkonten. Das Gegenteil sind Negativzinsen, die in Nullzinsphasen für die Verwahrung von Guthaben verlangt werden. Sollzinsen sind für Darlehen fällig.

Geldmarktzinsen werden für kurzfristige Kapitalanlagen professioneller Finanzmarktteilnehmer erhoben (z. B. Versicherungen und Banken). Kapitalmarktzinsen fallen  auf langfristige Kapitalanlagen an.

Dispositionszinsen (kurz: Dispozinsen) fallen für kurzfristige, von der Bank grundsätzlich genehmigte Kontoüberziehungen an . Sie liegen wegen der fehlenden Kalkulierbarkeit dieser Dispositionskredite deutlich über den Zinsen für Konsumentenkredite. Überzieht der Kunde den eingeräumten Dispositionskredit noch weiter, fallen noch höhere Überziehungszinsen an.

Der Nominalzins bezeichnet den Zinssatz in Prozent bezogen auf den Anlage- bzw. Kreditbetrag für ein Jahr. Der Effektivzins berücksichtigt weitere Kosten über die gesamte Laufzeit der Anlage bzw. des Kredits. Dazu zählen zum Beispiel etwaige Bearbeitungs- und Abschlussgebühren, den Auszahlungsbetrag, die Tilgungsstruktur und damit die Kapitalbindung und die Zinsfestschreibungsdauer. Er ist deshalb entscheidend für den Vergleich unterschiedlicher Anlage- bzw. Darlehensangebote.

Die Noten- bzw. Zentralbanken legen darüber hinaus  den sogenannten Leitzins fest. Er dient als Referenzzins für Kreditinstitute der Steuerung der Kreditnachfrage einer Volkswirtschaft. Steigende Leitzinsen erhöhen die Kreditkosten und dämpfen somit (idealtypisch) die Kreditnachfrage und damit die Wirtschaftstätigkeit und die Inflation, während niedrige Zinsen expansiv wirken (sollen).

Grafisch können wir diesen Transmissionsmechanismus wie folgt darstellen:

 

Zinsen im Fonds-Wiki von EURAMCO

Quelle: Europäische Zentralbank: Die Geldpolitik der EZB (2033), S. 64.

Quellen der EURAMCO 

Agio

Weiterführende Links  zum Thema Zinsen

Wortherkunft und Bedeutung

Transmissionsmechanismus

Zinsarten

 

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